Konrektor Kai Braun als Pfleger auf der Intensivstation

Gepostet am Apr 28, 2020 in Allgemein, Zeitungsartikel

Schule hat wegen Corona geschlossen: Konrektor geht als Pfleger auf die Intensivstation (von Hans Moritz)

ErdingCorona, das ist eine Zeit mit vielen schrecklichen Nachrichten, mit Menschen auf der Intensivstation, mit weltweit unzähligen Toten binnen weniger Wochen. Es ist aber auch eine Zeit der schönen, ermutigenden Geschichten. Eine davon spielte am Klinikum Erding. In der Hauptrolle: Kai Braun. Was, bitte, bringt einen Lehrer, der seit eineinhalb Jahren Konrektor der Mittelschule Altenerding ist, dazu, sich in Zeiten strikten Besuchsverbots wochenlang in der Intensivstation des Klinikums aufzuhalten? Dort, wo erst recht niemand von außen hindarf.

Ganz einfach: Braun ist nicht nur Lehrer, ist auch gelernter Intensivpfleger. Genau in dieser Rolle kehrte er jetzt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Diese wundersame Geschichte beginnt im Jahr 1996. Damals tritt Braun seine Stelle als Fachkrankenpfleger auf der Intensivstation des damaligen Kreiskrankenhauses Erding an. Schon zu dieser Zeit reicht sein Horizont über die Notaufnahme hinaus. Berufsbegleitend absolvierte Braun ein Lehramtsstudium. 2004 wechselt er vom Krankenhaus in den Schuldienst. Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 wird Braun zum Konrektor der Mittelschule Altenerding ernannt. Zum Referendariat ging der heute 49-Jährige an die Mittelschule Taufkirchen, wo er seit 2006 unterrichtete. Zudem ist er im Auftrag des Schulamts Datenschutzbeauftragter: Seit 2013 berät Braun 39 Schulen im Landkreis. „Ich helfe dabei, wie man sensible Daten von Schülern und Lehrern sichert“, hatte er bei seiner Amtseinführung erklärt.

Doch dann kam im März 2020 Corona. Da war es dem Pädagogen und Pfleger wichtiger, Menschenleben und nicht Daten zu retten. Die Schulen wurden am 16. März geschlossen. Braun ließ sich vom Schuldienst vorübergehend freistellen und klopfte bei seinem alten Arbeitgeber an, dem Klinikum. Am 1. April trat er (wieder) seinen Dienst auf der Intensivstation an – als Freiwilliger. Trotz der langen Pause fand er schnell wieder in die Arbeit hinein – die Mitarbeiter der Intensivstation waren voll des Lobes über die hervorragende Fachlichkeit des ehemaligen Kollegen, berichtet Pflegedirektorin Gertrud Friess-Ott.

Doch nun haucht der Staat auch den Schulen wieder Leben ein – und Braun kehrt zurück an die Lange Feldstraße. Zum Abschied schaute sogar Landrat Martin Bayerstorfer vorbei. Er bedankte sich herzlich für das Engagement, das stellvertretend für das so vieler Menschen stehe: „Es ist schon ein besonderes Zeichen, dass sich so viele gemeldet haben, um zu helfen und zu unterstützen – ob nun im Krankenhaus oder anderswo. An sie, aber auch an deren Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter in dieser Zeit freistellen für freiwillige Dienste: Vergelt’s Gott dafür.“  Ein kleines Präsent gab es vom stellvertretenden Klinikdirektor Martin Kornhaas sowie den Pflegedirektoren Gertrud Friess-Ott und Gudrun Leifried.

Erdinger Anzeiger vom